Marcel Manten über Verantwortung,
neue Perspektiven und die Zukunft

75 Jahre Manten stehen für Beständigkeit – und für den Mut, sich immer wieder neu aufzustellen. Genau das geschieht aktuell: Mit dem Eintritt von Marcel Manten in die Geschäftsführung übernimmt die dritte Generation nun auch offiziell noch mehr Verantwortung. Im Gespräch erzählt er, was ihn antreibt, welche Veränderungen Manten in den kommenden Jahren prägen werden und warum für ihn Tradition auch bedeutet, den Blick nach vorne zu richten.

Marcel, dein Vater Peter verabschiedet sich nach vielen Jahren aus der Geschäftsführung. Damit ist der Generationenwechsel nun auch offiziell vollzogen – die operative Verantwortung tragt ihr, du und dein Bruder Sebastian, ja schon länger. Ist das trotzdem ein besonderer Moment, oder eher ein längst gelebter Schritt, der jetzt nur noch formal nachvollzogen wird?

Ich glaube, beides. Im Tagesgeschäft ändert sich für uns tatsächlich wenig, weil Sebastian und ich die Entwicklung von Manten bereits seit einigen Jahren aktiv mitgestalten und vorantreiben. Insofern ist der Generationenwechsel für uns kein plötzlicher Umbruch, sondern der offizielle Abschluss einer Entwicklung, in der Verantwortung Schritt für Schritt übertragen wurde. Nur so lässt sich ein Unternehmen aus meiner Sicht verantwortungsvoll an die nächste Generation übergeben.

Trotzdem ist der Moment etwas Besonderes. Denn er erinnert daran, wie früh dieser Weg für uns eigentlich begonnen hat. Mein Bruder Sebastian und ich sind hier praktisch groß geworden. Unser Elternhaus liegt direkt neben dem Betrieb. Das Unternehmen war deshalb nie einfach nur der Arbeitsplatz unserer Eltern, sondern immer Teil unseres Alltags. Man erlebt früh, wie Entscheidungen entstehen, wie Verantwortung getragen wird und was es bedeutet, unternehmerisch zu denken. Und irgendwann wird aus dem Mitdenken eigenes Entscheiden. Dann übernimmt man Verantwortung – nicht nur für Zahlen oder Prozesse, sondern vor allem für die Menschen im Unternehmen. Wir beschäftigen heute rund 650 Mitarbeitende. Hinter jedem Arbeitsplatz stehen Familien und persönliche Lebensgeschichten. Dieses Bewusstsein begleitet mich jeden Tag und prägt meinen Blick auf die Aufgabe.

Gleichzeitig verändert sich nicht nur die Geschäftsführung, sondern auch die Struktur des Familienunternehmens. Was bedeutet diese Zäsur für Manten?

Der Wandel betrifft tatsächlich mehrere Ebenen. Ich bin bereits seit 2020 Geschäftsführer an unserem zweiten Standort in Olpe und einzelvertretungsberechtigter Prokurist in Geldern – nun kommt mit der neuen Struktur die Geschäftsführung am Hauptstandort hinzu. Sebastian ist bereits seit einigen Jahren Geschäftsführer hier am Standort, gleichzeitig verabschiedet sich unser Vater Peter aus der Geschäftsführung. 

Eine wichtige Veränderung ist außerdem, dass mit Jan-Phillip Markus erstmals ein Geschäftsführer außerhalb der Familie Teil der Unternehmensleitung ist. Das war eine ganz bewusste Entscheidung, weil unser Unternehmen in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen möchten. Jan-Phillip ist mit seinen 36 Jahren für sein Alter bereits sehr erfahren. Er bringt Erfahrung aus zwei führenden Unternehmen unserer Branche mit und ist seit zwei Jahren als Geschäftsführer an unserem Standort in Olpe tätig. Nun übernimmt er zusätzlich den größeren Standort in Geldern. Wir sind sehr froh, ihn für diese Position gewonnen zu haben.

Auch die Eigentümerstruktur entwickelt sich weiter. Mein Onkel Heiner ist noch aktiver Teil der Geschäftsführung, hat aber bis auf zwei Prozent seine Unternehmensanteile an seine drei Kinder übertragen: Sie halten nun jeweils 16 Prozent und sind wie Sebastian und ich Gesellschafter, verfolgen aber, anders als wir beide, berufliche Wege außerhalb von Manten – sozusagen stille Teilhaber. Für mich zeigt das sehr gut, dass ein Familienunternehmen sich weiterentwickeln kann, ohne seine DNA und Identität zu verlieren. Die Familie bleibt eng mit dem Unternehmen verbunden – gleichzeitig öffnen wir uns für neue Perspektiven und zusätzliche Kompetenzen.

Marcel, du sprichst oft mehr über das Morgen als über die Vergangenheit. Warum?

Natürlich bin ich stolz auf das, was unsere Familie und unsere Mitarbeitenden in den vergangenen 75 Jahren aufgebaut haben. Dieses Unternehmen hat eine außergewöhnliche Geschichte. Gleichzeitig glaube ich aber, dass ein Familienunternehmen nie von seiner Vergangenheit leben darf. Die Geschichte gibt uns Orientierung, aber sie darf uns nicht stehen bleiben lassen. Deshalb richte ich meinen Blick weniger zurück als nach vorne. Mich beschäftigt vor allem die Frage, welche Entscheidungen wir heute treffen müssen, damit Manten auch in zwanzig oder dreißig Jahren ein starkes Familienunternehmen ist.

Die Fleischwirtschaft befindet sich im Wandel – nicht zuletzt durch veränderte Erwartungen der Verbraucher. Wie nimmst du diese Entwicklung wahr?

Ich glaube, wir erleben gerade einen grundlegenden Wandel. Verbraucher beschäftigen sich heute viel intensiver mit Themen wie Nachhaltigkeit, Tierwohl oder Herkunft von Lebensmitteln als noch vor einigen Jahren. Das ist grundsätzlich eine gute Entwicklung, weil sie zeigt, dass Menschen bewusster konsumieren möchten. Gleichzeitig erleben wir aber auch, dass Anspruch und Realität manchmal auseinandergehen. Viele wünschen sich höhere Standards und mehr Nachhaltigkeit, aber an der Ladentheke entscheidet am Ende oft doch der Preis. Diese Balance ist für die gesamte Branche eine Herausforderung.

Hinzu kommt, dass sich auch unsere Kunden verändern. Viele mittelständische Wurstwarenhersteller stehen heute unter einem enormen Wettbewerbsdruck. Große Konzerne wachsen weiter, Handelsketten bauen eigene Produktionskapazitäten auf und der Markt konzentriert sich zunehmend. Umso wichtiger ist es für uns, sie mit Qualität, Verlässlichkeit und individuellen Lösungen zu unterstützen. 

Wie richtet sich Manten für die Zukunft aus?

Wir können die Rahmenbedingungen nicht verändern, aber wir können entscheiden, wie wir damit umgehen. Für uns bedeutet das vor allem, zuzuhören und uns weiterzuentwickeln. Wir investieren gezielt in unsere Standorte, in moderne Technik und in die Qualität unserer Prozesse, um unsere Kunden noch individueller unterstützen zu können und Produkte noch präziser auf die ihre Anforderungen abstimmen können. Gleichzeitig bauen wir auch unsere eigene Wertschöpfung weiter aus:  Produktionsschritte, die früher extern erledigt wurden, holen wir bewusst zurück ins Unternehmen. Das macht uns unabhängiger, effizienter und stärkt unsere Wettbewerbsfähigkeit.

Ich bin überzeugt: Man darf Veränderungen nicht einfach aussitzen. Ein Familienunternehmen muss den Mut haben, sich immer wieder neu aufzustellen. Wer nur verwaltet, wird auf Dauer nicht erfolgreich bleiben. Deshalb verstehen wir Veränderung nicht als Risiko, sondern als Chance, unser Unternehmen langfristig noch stärker zu machen.

Nachhaltigkeit spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle. Was bedeutet sie für dich persönlich?

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, Ressourcen verantwortungsvoll einzusetzen und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Wir investieren seit Jahren in energieeffiziente Anlagen, moderne Technik zur Wärmerückgewinnung und ressourcenschonende Prozesse. Darauf sind wir stolz. Gleichzeitig glaube ich, dass wir als Branche noch besser darin werden müssen, diese Entwicklungen sichtbar zu machen. Unsere Branche leistet in vielen Bereichen deutlich mehr als häufig wahrgenommen wird – darüber wird oft nur zu wenig gesprochen.

Was meinst du damit?

Ich finde, unsere Branche erzählt viel zu selten, was sie tatsächlich leistet. Es wird intensiv über Herausforderungen gesprochen – und die gibt es natürlich auch. Gleichzeitig investieren viele Unternehmen seit Jahren in Tierwohl, eine möglichst CO₂-arme Produktion und eine positive Klimabilanz. Auch wir gehen in diesen Bereichen kontinuierlich wichtige Schritte. Und darum ist es mir wichtig, dass wir offen über diese Entwicklungen sprechen. 

Denn Nachhaltigkeit ist für uns kein Marketingbegriff, sondern Teil unseres unternehmerischen Handelns. Wir investieren, weil wir davon überzeugt sind, dass wirtschaftlicher Erfolg und verantwortungsvolles Handeln zusammengehören. Dass Ökologie und Ökonomie kein Widerspruch sind. Im Gegenteil: Wer seine Prozesse hinterfragt, effizienter arbeitet und Innovationen zulässt, verbessert häufig beides – die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens und seinen ökologischen Fußabdruck. Genau diesen Weg wollen wir bei Manten konsequent weitergehen.

Digitalisierung und Künstliche Intelligenz spielen inzwischen auch in der Lebensmittelindustrie eine immer größere Rolle. Wo siehst du das größte Potenzial?

Gerade angesichts des Fachkräftemangels werden intelligente Prozesse künftig eine immer wichtigere Rolle spielen. Darum beschäftigen wir uns intensiv mit digitalen Anwendungen, automatisierten Abläufen und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz – sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung. Aber für uns geht es nicht darum, jeder technischen Entwicklung hinterherzulaufen. Digitalisierung muss einen konkreten Nutzen bringen. Sie soll Prozesse vereinfachen, Daten besser nutzbar machen und unsere Mitarbeitenden unterstützen.

Wenn du an die nächsten zehn oder fünfzehn Jahre denkst: Wofür soll Manten dann stehen?

Ich wünsche mir, dass wir sagen können: Wir haben unser Unternehmen als Qualitätsanbieter in der Fleischwirtschaft erfolgreich weiterentwickelt, ohne unsere Werte aus den Augen zu verlieren. Dass wir moderne Arbeitsplätze geschaffen, unsere Prozesse weiter verbessert und unsere Wertschöpfung ausgebaut haben. Märkte verändern sich, Technologien verändern sich und auch die Erwartungen unserer Kunden verändern sich. Aber für mich bedeutet Zukunft nicht, alles anders zu machen. Zukunft bedeutet, das Bewährte weiterzuentwickeln – mit Weitsicht, Verantwortung und dem Mut, neue Wege zu gehen.

Vor allem wünsche ich mir aber, dass Manten auch dann noch als Familienunternehmen wahrgenommen wird, das langfristig denkt und Verantwortung übernimmt – für seine Mitarbeitenden, für seine Kunden und für die nächste Generation.